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Geistlicher Impuls

Ich habe Dich beim Namen gerufen


Lieber Leserinnen und Leser, Kennen Sie die den Namen Osoblaha? Einige von Ihnen die von Ihnen, die aus dem Sudetenland gekommen sind, wissen vielleicht auf Anhieb darum. Dort an der Nordostgrenze von Tschechien liegt die Stadt mit diesem Namen. „Wer eines Menschen richtigen Namen weiß, kann geheime Macht über ihn gewinnen und ausüben, so schreibt es Otfried Preussler in einem Aufsatz. Vielleicht dämmert es jetzt manchem, Osoblaha heißt auf Deutsch Hotzenplotz. Wie oft habe ich den Kindern die Geschichten vom Räuber Hotzenplotz vorgelesen. Die Kenntnis seines Namens läßt ihn weniger gefährlich erscheinen. Name und Person gehören zusammen. Der Name nimmt etwas von dem Geheimnis. „Nicht um sonst fürchtet das Rumpelstilzchen die Preisgabe seines Namens. Nicht von ungefähr bleibt Rübezahls wahrer Name sein wohl gehütetes Geheimnis“, schreibt Preussler weiter. Auch wir wissen an anderer Stelle um dieses Geheimnis von Namen: In der hebräischen Bibel, unserem sogenannten „Alten Testament“, steht das Tetragramm (altgriechisch: vier Zeichen) JHWE. Es wird von den Juden nicht ausgesprochen. Gott wird umschrieben. Gott als transzendentes Geheimnis ist mit keinem Namen zu erfassen, sonst würde er gerade sein „Gott sein“ verlieren. Aber dieser geheimnisvolle Gott zeigt sich in seinem Handeln: Ich bin JHWH, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt hat. JHWE ist der, der Menschen befreit und er hat mit Ihnen einen Bund geschlossen. Schon zu Beginn des Buches Exodus (Ex 3,14) gibt sich Gott als „Ich bin für Euch da“, bzw, „Ich bin, der ich bin“ zuerkennen; das entsprechende hebräische Wort an dieser Stelle lässt viele Übersetzungen zu. Auf jeden Fall ist Gott derjenige, der das Wohl, des Menschen will. Im Buch Deuteronomium (Dtn 5,9) wird Gott als ein „eifernder“ Gott beschrieben: „Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott“, Er ist Gott, der sich für den Menschen einsetzt, dem der Mensch und das Leben des Menschen nicht gleichgültig ist. „Ich habe Dich beim Namen gerufen“ heißt es schließlich bei Jesaja (Jes 43,1): Und im darauffolgenden Vers schreibt Jesaja weiter: „Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen.“ Wer den Namen kennt, kennt die Person. So persönlich also steht Gott zu jedem Menschen. Er weiß um den Namen eines jeden von uns Menschen, so sehr ist er uns nahe. Erinnern wir uns immer wieder, daran wie sehr Gott uns und unser Leben will, erinnern wir uns immer wieder an seine Begleitung in allen Lagen unseres Lebens: Ich habe Dich beim Namen gerufen. Thomas Klix, Pastoralreferent