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Geistlicher Impuls

Größer denken!?


Am 1. Fastensonntag hören wir im Evangelium wieder die Aufforderung Jesu: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) Und auch bei der Spendung des Aschekreuzes wird uns dieser Satz im wahrsten Sinne des Wortes auf die Stirn geschrieben.

„Kehrt um!“ – ein moralischer Appell Jesu? War denn bisher alles falsch? Müssen wir einen anderen Weg einschlagen?

Es lohnt sich, einmal in den griechischen Text des Markus-Evangeliums zu schauen. Dort finden wir den Imperativ „Metanoeite!“ Übersetzt könnte dies heißen: „Denkt größer!“

„Denkt größer von Gott!“ Welches persönliche Bild von Gott habe ich? Wenn Gott für mich der strafende Richter ist, dann muss ich mich stets bemühen, es ihm recht zu machen, um seiner Bestrafung zu entgehen. Oder wenn ich selbst oder in Gemeinschaft mit anderen fest davon überzeugt bin, Gott „im Besitz“ zu haben, die alleinige Wahrheit über ihn zu kennen, dann muss ich doch gegen die anderen vorgehen, die anders von Gott denken.

Wenn aber Jesus von Gott spricht, dann können die Menschen aufatmen, befreiter leben. Für ihn ist Gott die Liebe. Jesus geht es darum, dass wir Menschen zu einem Leben in Fülle gelangen oder - wie Ignatius von Loyola es formuliert - zu einem „Mehr“ an Leben. Gott einmal größer denken als bisher – das kann zu mehr Toleranz und Weite, innerer Freiheit und Weite führen. Kleinkariertes und enggeführtes Denken hat dann keinen Platz mehr.

„Denkt größer von der Kirche!“ Kirche verändert sich. Das erfahren wir vielleicht auch schmerzlich immer mehr. Altes und Liebgewordenes müssen wir manchmal aufgeben. Hilft es auch da vielleicht einmal, größer zu denken? In unserer Pfarrei haben wir viele Interviews geführt, in denen uns Menschen ihre Meinung über ihren Glauben und die Kirche anvertraut haben. Die Auswertung der Interviews wird uns hoffentlich eine Richtung zeigen, in die sich die Kirche hier vor Ort bewegen könnte und sollte. Das Evangelium, die frohe Botschaft Jesu möchte uns zu einem lebendigen Glauben führen. Wie dieser in Zukunft aussehen kann, das ist noch ungewiss. Gewiss ist aber, dass wir darauf vertrauen können, dass Gottes Geist bei uns und in uns wirken wird. Wir dürfen ihm Raum lassen und sein Wirken erspüren.

„Denkt größer!“ – Mit den Worten Jesu möchte ich uns einladen zu einer (vielleicht neuen?) Haltung, dass wir uns von Jesus in Bewegung bringen und verändern lassen.

In diesem Sinne eine gute Fastenzeit!

Monika Korten