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Geistlicher Impuls

Worüber würden Sie hier gerne etwas lesen?


Ich gebe zu: Das Vorwort zu schreiben, hätte ich total vergessen, wenn mich nicht Pastoralreferent Andreas Korten gestern Vormittag daran erinnert hätte! Doch: Worüber schreiben? Die Monate, in denen etwas „in Kirche los“ ist, sind vorbei: Tod und Auferstehung Jesu, Himmelfahrt und Pfingsten sind gefeiert, selbst Fronleichnam war am letzten Tag des Vormonats. Ich könnte natürlich etwas über die Ferien schreiben…

Nach der Vorbereitung des Firmgottesdienstes gestern Abend fragte ich spontan Victoria: Worüber würdest Du gerne einmal etwas lesen? Ehrliche Antwort: Ich lese nicht so gerne… Ich blieb dran: Was müsste passieren, damit Du einen Artikel in der Zeitung oder vielleicht sogar ein Buch liest? Antwort der Firmjugendlichen: Es müsste etwas Besonderes sein, etwas Neues, von dem ich noch nie gehört habe… Ich versuchte es weiter: In der Bibel gibt es Verse, die berichten absolut noch nie Dagewesenes, z.B. sagt der Prophet Jesaja (Jes 55,1): Leute, kauft Wein ohne Bezahlung! Wäre das etwas, was Dich reizen könnte weiterzulesen? Wieder eine ehrliche Antwort: Das wäre wirklich neu, da würde ich weiterlesen…. Worüber würden SIE hier gerne etwas lesen?   

Eine Gruppe von Haupt- und Ehrenamtlichen aus unserer Großpfarrei hatte sich im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht, einen Visionsprozess zu beginnen. Die Interview-Aktion, in der etwa 250 Kirchenmitglieder zu ihrem Glauben, ihrer Sicht auf Kirche, Pfarrei und Gemeinde vor Ort und zum Gottesdienst und schließlich zu unserem Miteinander befragt worden waren, lieferte wichtige Antworten, die ausgewertet und schließlich am Pfingstmontag vorgestellt wurden. Manches, was heute Menschen an der Kirche für reformbedürftig halten, können wir nicht beeinflussen. Das Verhältnis von Großpfarrei und Gemeinde vor Ort aber können wir durchaus gestalten: Wie wir miteinander umgehen und ob Menschen sich in der Gemeinde angenommen und dazugehörig fühlen, das können wir sehr wohl beeinflussen… Und wie wir Eucharistie oder sonstige Gottesdienste feiern und wie lebendig und einladend diese sind, das liegt nicht allein an den Priestern: Gerade die Eucharistie muss zur Angelegenheit des ganzen Gottesvolkes werden.   

Worüber würde ICH hier eigentlich gerne etwas lesen?  

Mehr als Du siehst! Das Leitwort der Kirchenentwicklung in unserem Bistum macht deutlich: Da ist schon so vieles da - mehr, als wir auf den ersten Blick sehen; da ist noch viel mehr möglich - mehr, als wir mit unserem heutigen Blick auf Kirche zu sehen wagen; da wird Kirche zum Ort der Begegnung (mit mir selbst, mit anderen, mit Gott…) - mehr, als wir uns das bisher vorstellen konnten…                                                                                                                      

Was würde ICH gerne lesen? Meine Neugier würde geweckt, wenn ich läse, wie eine Gemeinde vor Ort sich auf den Weg macht, die Charismen, Begabungen, Talente neu auszuloten, die Gott den Menschen geschenkt hat, und sie dann einzubringen - ohne Jammern über die vermeintlich „goldenen Zeiten“ früher, sondern in der Freude darüber, dass Kirche vor Ort lebendig ist und sich unter Gottes gutem Geist weiterentwickelt. Großartig fände ich auch, wenn ich sähe, wie Schwestern und Brüder mehr Verantwortung für ihre Gemeinde vor Ort „zuge-mut-et“ bekämen und diese auch ergriffen. Ich wäre begeistert, wenn sich Ortausschüsse, Liturgiekreise, Lektoren-, Kantoren-, Kommunionhelfer-, Ministrantengruppen usw. zusammenfänden, Mitverantwortung für die Gestaltung der Eucharistie am Sonntag wahrnähmen und Gottesdienste gemeinsam (mit dem Priester) geplant und vorbereitet würden - auf Wunsch und bei Bedarf gut begleitet durch einen „Hauptamtlichen“.

Die Ferien stehen vor der Tür. Als „alter Lehrer“ gebe ich Ihnen zwei Aufgaben über die Ferien auf: 1. Erholen Sie sich gut, spannen Sie aus… und wenn Sie verreisen, kommen Sie bitte gesund wieder!   Und… 2. Überlegen Sie einmal, was Sie hier an dieser Stelle einmal gerne lesen würden, und teilen Sie uns das dann bitte auch mit. Danke! …

Und wenn Sie mögen, hier noch eine Zusatzaufgabe: Überlegen Sie doch in Ihrem Ortausschuss, Liturgiekreis o.ä., wo Sie gerne etwas bewegen möchten… Viel Glück und Gottes Segen! Es grüßt Sie herzlich               

Ihr Joachim Pauli, Diakon