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Geistlicher Impuls

Gedanken zum Erntedankfest


Liebe Mitchristen,

das Erntedankfest erinnert uns Christinnen und Christen im Grunde an eine alltägliche Grundeinstellung zum Leben: Die Dankbarkeit gegenüber Gott für die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Alles, was wir an Ernte einfahren, ist aus christlicher Perspektive ein Geschenk des gütigen Gottes, der uns Tag für Tag das Wunder der Schöpfung schenkt und es für uns Menschen bewahrt, so dass wir leben können.

Das Fest Erntedank ist weit mehr als die alljährliche Erinnerung an die Solidarität mit dem benachteiligten Nächsten oder an den bewussten Umgang mit den Ressourcen der Schöpfung. Vielmehr fordert Erntedank dazu auf, über unser Menschsein nachzudenken im ökologischen System der Welt.

An diesen oft vernachlässigten Aspekt erinnert Benedikt XVI. in seiner Ansprache im Deutschen Bundestag am 22.09.2011: „Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt ansprechen, der nach wie vor – wie mir scheint –ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann.

Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur achtet, sie hört und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“

Benedikt XVI. stellt in seiner Ansprache zentrale Punkte über das Menschsein heraus, über die es sich lohnt, an Erntedank einmal näher nachzudenken:

- Der Mensch macht sich nicht selbst, sondern verdankt sich dem schöpferischen Willen Gottes: Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes an die Welt.

- Der Mensch ist ein Teil der Natur: Er ist kein Störfaktor, sondern integraler Bestandteil des ökologischen Systems der Erde. Dem Menschen, ausgestattet mit Geist und Wille, kommt aber eine besondere Verantwortung zu.

- Zum Wesen des Menschen gehört die Annahme seiner selbst: Erst wenn der Mensch seine Begabungen, aber auch seine Schwächen annimmt und immer mehr das Gute tut und das Böse meidet, dann erlangt er ein freies Herz, eine innere Freiheit.

An Erntedank geht es also nicht nur darum eine Zwischenbilanz über den Ertrag der diesjährigen Ernte zu ziehen, sondern es geht vielmehr darum, dass wir einmal innehalten und auf unser Menschsein blicken und Gott danken für das Gute in unserem Leben. Ebenso dürfen wir Gott darum bitten, dass er das Gute, das er in uns angelegt hat, immer mehr zum Vorschein und zur Entfaltung kommen lassen möge.

Ihr Pater John Paul