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Die Kirche St. Karl Borromäus früher und heute

Federzeichnung(Manuela Bernhard, Brombach im November 2014)

In der Mitte Schmittens thront unübersehbar seit über 120 Jahren die Felsenkirche St. Karl Borromäus, die auch für die Katholiken in Brombach die zuständige Ortskirche darstellt. Während zur Zeit ihrer Entstehung noch keine Katholiken in Brombach lebten, wohnen derzeit 121 katholische Christen in diesem Ortsteil.

Könnte das Gotteshaus mit uns sprechen, so würden wir erfahren, dass dieser markante und gelungene Standort allerdings einst ein großes Ärgernis darstellte. Denn den Bau der Kirche und der Wohnung für den Geistlichen beantragten die Arnoldshainer und Schmittener Katholiken gemeinsam und daher sollte die Kapelle ursprünglich zwischen diesen beiden Orten entstehen, möglichst nahe zu Schmitten. Die unterschiedlichen Bauplätze, etwa in Höhe der heutigen Fa. Karl Schmidt bzw. des Friedhofes oder an der „Oberurseler Chaussee“ wurden aus verschiedenen Gründen verworfen. So mehrten sich in Schmitten die Stimmen, die sich für einen Standort in der Mitte des Dorfes aussprachen. Der zuständige Geistliche Rath Anton Abt (gebürtiger Seelenberger) entschied sich, nach Vorschlag des Kirchenvorstehers Wilhelm Ochs I, schließlich für den imposanten Platz auf dem Felsen im Herzen Schmittens.
Natürlich erhob sich ein Sturm der Entrüstung in Arnoldshain, doch alle Beschwerdeschreiben und Deputation an den Bischof fruchteten nicht und so konnte der Limburger Architekt Fachinger die Kirchenbauleitung übernehmen. Der Bauplatz auf dem Felsen gehörte damals der Zivilgemeinde Schmitten. Der evangelischen Feldgerichtsschöffe Johann Philipp Müller erwarb das Areal für 25 Mark und schenkte dann den Schmittener Katholiken dieses Land. So konnte schon zu dieser Zeit Fruchtbares aus der Ökumene erwachsen!

Heute können wir uns an dem Kleinod erfreuen, dessen Innenausstattung im Zuge von Renovierungsarbeiten 1967 modernisiert wurde. Von der ursprünglichen neugotischen Ausstattung mit Hochaltar, Kanzel, Kommunionbank, Seitenaltären und Beichtstuhl sind lediglich die Schnitzereien (Rosetten) an der Empore erhalten. Heute prägt in erster Linie das Altarbild die Innenansicht der Kirche. Der Mainzer Künstler Thomas Vogel versuchte das Versprechen „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ bildlich darzustellen. So beeindruckt es vor allem durch die Übereinstimmung von Inhalt und künstlerischem Ausdruck. Die gesplitterte Darstellung zeigt, wie wir die Inhalte unseres Glaubens wahrnehmen: Gebrochen und angefochten. Aber der Glaubende hofft, dass sich das Unklare einst in Klarheit verwandeln wird; nach dem Wort des heiligen Paulus: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht."

In direkter Nachbarschaft zur Kirche befindet sich die Mariengrotte, die ihre eigene Geschichte hat. Gegen Ende des 2. Weltkrieges sollte die aus dem Fels gesprengte Höhlung als Eingang zu einem Bunker genutzt werden. Da der Krieg vor dessen Fertigstellung beendet wurde, entstand aus dieser Sprengöffnung eine Mariengrotte, die viele Besucher zum Verweilen und stiller Andacht einlädt.

Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich auch in Brombach die kirchliche Zusammensetzung der Bevölkerung. So wurden katholische „Heimatvertriebene und Ostflüchtlinge“ in der Brombacher Hütte einquartiert. Auch in manchen Privathäusern fanden die Menschen aus den Ostgebieten eine neues zu Hause. Der sonntägliche Kirchgang wurde zu Fuß erledigt. Leider erschwerte die Abgeschiedenheit der Hütte ein Zusammenwachsen mit der Dorfbevölkerung und so zogen die meisten Familien nach erfolgreicher Wohnungssuche nach Schmitten und Arnoldshain um.

Eine gute Integration und Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern fand einige Jahre später statt, als die katholische Försterfamilie Brunner ins Brombacher Forsthaus einzog. Zwar war der Sohn der Familie als einzigster Katholik ein Exot in der Volksschule Brombach, dennoch wurde er offen in die Gemeinschaft aufgenommen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich durch den verstärkten Zuzug aus dem gesamten Bundesgebiet die Zahl der Katholiken in Brombach deutlich, auf zur Zeit 121 Personen, erhöht.

Den Wandel der Zeit hat auch die katholische Gemeinde Schmitten erlebt, so wurden die Gemeinden Ober- u. Niederreifenberg, Seelenberg und Schmitten 1977 zum Pfarrverband Schmitten, später zum Pastoralen Raum Schmitten zusammengeschlossen. Im September 2005 fand dann eine Erweiterung mit den Gemeinden Schloßborn u. Glashütten zum pastoralen Raum Schloßborn-Schmitten
statt. Im Januar 2012 wurden die 4 Schmittener Gemeinden mit den sieben Pfarrgemeinden des Usinger Landes zum Pastoralen Raum Usingerland/Schmitten zusammengelegt. Diese 11 Gemeinden bilden seit Januar 2014 die neue Pfarrei St. Franziskus und Klara - Usinger Land.

Gemeinsame Projekte des ökumenischen Arbeitskreises Schmitten, wie z. B. die Ferienaktion für Kinder aus Weißrussland und weitere Veranstaltungen tragen seit über 20 Jahren zu einem gelingenden und stärkenden Miteinander bei.

(Quellen: Zeitzeugen, Festschrift zum 100. Kirchenjubiläum, Kirchenflyer)