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Unsere Orgel - die Königin der Instrumente

Die Orgel wird nicht zu unrecht als die Königin der Instrumente bezeichnet: bietet sie doch derart viele Klangmöglichkeiten, die kein anderes Musikinstrument hat: von zarten, andächtigen, ja geheimnisvollen Klängen bis zum freudigen Tutti stehen dem Organisten alle Freiheiten offen.

Unsere Orgel wurde 1964 von der Firma Wagenbach erbaut. Im Jahre 2002 erfolgte eine Generalüberholung des Instrumentes durch die Firma Orgelbau Hardt (Möttau) und bei dieser Gelegenheit erhielt das Instrument ein weiteres Register: ein Zungenregister Krummhorn 8".

Die Orgel besitzt eine elektrische Spiel- und Registertraktur und eine elektropneumatische Steuerung der Ventile.

Die Disposition sieht heute folgendermaßen aus:

 

PedalHauptwerkOberwerkSpielhilfen
  • Subbass 16'
  • Gedecktbass 8'
  • Oktavbass 4'
  • Trompete 8'
  • Posaune 16'
  • Krummhorn 8'
  • Koppel II/Ped.
  • Koppel I/Ped.
  • Prinzipal 8'
  • Weidenpfeife 8'
  •  
  •  
  • Oktave 4'
  • Rohrflöte 4'
  • Quinte 2 2/3'
  • Blockflöte 2'
  • Mixtur 2', 6 fach
  • Trompete 8'
  • Koppel II/I
  • Sing. Gedeckt 8'
  • Prinzipal 4'
  • Quintade 4'
  • Oktave 2'
  • Quinte 1 1/3'
  • Sesquialter 2-3fach
  • Krummhorn 8'
  • Tremulant
  • freie Kombination
  • Tutti
  • Crescendo Schweller
  • Crescendo Schweller-ab
  • Zungen ab
  • MIDI-Schnittstelle

Neues Trompetenregister

Neues TrompetenregisterAls unsere Orgel vor über 30 Jahren angeschafft wurde, musste die Kirchengemeinde aus finanziellen Gründen auf zwei Register verzichten.

Im Jahr 2002 konnten wir durch großzügige Spenden eines der beiden fehlenden Register nachrüsten. Seitdem erklingt ein Krummhorn 8'.

Damit nun auch irgendwann das zweite noch fehlende Register (eine Trompete 8' im Hauptwerk) erklingen kann, wurde im Herbst 2007 das Projekt "Orgelvervollständigung" ins Leben gerufen und ein zweckgebundenes Spendenkonto eingerichtet.

Durch zahlreiche Aktionen (Werbung, Versteigerung von Orgelpfeifen am Pfarrfest, Patenschaften für Orgelpfeifen, Konzerte, Kollekten, usw.) konnten bis Februar 2009 die notwendigen Mittel in Höhe von rund 23.000 EUR gesammelt werden. Zahlreiche Einzelspender, die Nassauische Sparkasse, die Auktionsgewinner der Orgelpfeifen beim Pfarrfest, die Jägervereinigung und der Förderkreises ermöglichten es, dass die notwendigen Mittel in so kurzer Zeit zusammen kamen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön allen, die unser Projekt unterstützt haben!

Was genau kommt denn in die Orgel?

Unsere Orgel besteht aus einem sogenannten "Hauptwerk" (1. Manual), dem "Oberwerk" (2. Manual) und dem Pedalwerk.

Eingerüstet werden 54 neue Trompeten-Pfeifen ins Hauptwerk der Orgel (Trompete 8').

In den Spieltisch wird eine neue Registerwippe eingebaut, mit  der das Trompetenregister im 1 Manual hinzugeschaltet werden kann.

Da unsere Orgel eine elektrische Register- und Spieltraktur hat (d.h. beim Drücken einer Taste, oder dem Einschalten eines Registers erfolgt die Übertragung zu den Pfeifen und Windladen nicht mechanisch, sondern elektrisch über Relais) bieten sich einige zusätzliche Möglichkeiten, die wir ebenfalls einrüsten:

  1. Transmission ins Pedal
    Über eine elektrische Schaltung kann das neue Trompetenregister unabhängig vom Hauptwerk auch im Pedal hinzugeschaltet werden. Dies bereichert die musikalischen Möglichkeiten sehr und wurde bereits 2002 mit dem Krummhorn-Register so gelöst.
  2. Oktavtransmission ins Pedal
    Die Oktavtransmission arbeitet ähnlich wie die o.g. normale Transmission: über eine elektrische Schaltung kann das Trompetenregister unabhängig vom Hauptwerk im Pedal eingeschaltet werde. Allerdings werden alle Töne elektrisch um eine Oktave nach unten versetzt eingeschaltet, sobald eine Pedaltaste gedrückt wird. Hierdurch erklingt keine Trompete 8', sondern eine Trompete 16', die ein enormes klangliches Fundament ergibt. Das "Problem": die Pfeifen der Trompete 8' haben für die unterste Oktave der Trompete 16' keine Pfeifen. Hierfür werden nochmals 12 zusätzliche Pfeifen eingerüstet. So erhalten wir durch geringen Mehraufwand ein zusätzliches Register Trompete 16' im Pedal, neben der Trompete 8'

Die Einrüstung des neuen Registers ist geplant für Anfang April 2009. Im Rahmen eines Festgottesdienstes wird das neue Trompetenregister eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Über den Termin werden wir Sie informieren.

MIDI-Schnittstelle für unsere Orgel

Ein Zungenregister arbeitet grundsätzlich anders als die Labialregister unserer Orgel. Bei den Labialen strömt die Luft an einem kleinen Spalt vorbei, wie bei einer Blockflöte.

In einem Zungenregister dagegen wird der Ton durch ein schwingendes Metallplättchen erzeugt. Die Höhe des Tones wird durch die Länge des schwingenden Teiles bestimmt, nicht durrch die Länge der Pfeife.

Die Tonhöhe einer Labialpfeife ändert sich mit der Temperatur, die Tonhöhe der Zungenpfeifen dagegen bleiben konstant und ändern sich nicht bei unterschiedlichen Temperaturen in der Kirche.

Dies hat zur Folge, dass die Zungenregister regelmäßig nachgestimmt werden müssen. Jede Pfeife wird dabei einzeln mit einem sogenannten Stimmeisen gestimmt. Normalerweise werden hierfür zwei Personen benötigt: eine betätigt am Spieltisch jeden einzelnen Ton, die zweite Person stimmt oben die jeweilige Pfeife.

Um die Zungenpfeifen auch alleine stimmen zu können, hat im Jahre 2002 unser Organist Markus Drexelius ein "Stimmschalt-Kästchen" gebaut, das aus 54 einzelnen Schaltern besteht, mit denen die einzelnen Pfeifen im Oberwerk angespielt werden können, so als säße man am Spieltisch.

Die neue Trompete 8' inklusive Trompete 16' können mit dem Stimmschaltkästchen nicht angespielt werden, da es nur im Oberwerk eingerüstet ist.

So hat unser Organist Drexelius eine wesentlich flexiblere Lösung gefunden: er rüstet den Spieltisch mit einer MIDI-Schnittstelle aus. Mit einem passenden PC-Programm kann die gesamte Orgel damit ferngesteuert werden.

MIDI-Schnittstelle für die Pfeifenorgel

MIDI-Schnittstelle für die PfeifenorgelDie MIDI-Schnittstelle ist eine sehr verbreitete standardisierte Schnittstelle, um elektronische Musikinstrumente miteinander zu koppeln. Über diese Schnittstelle werden Steuerbefehle und Nachrichten übertragen, wie z.B. das Drücken einer Taste oder das Ein- und Ausschalten eines Registers.

Da unsere Orgel eine elektrische Traktur besitzt, war es naheliegend, eine Lösung zu finden, die Orgel mit einer MIDI-Schnittstelle auszurüsten, um so aus der Ferne die einzelnen Töne zum Stimmen der Orgel anspielen zu können.

Zum Einsatz kommen preiswerte MIDI-Baugruppen der Firma Wira-Elektronik (www.wira-electronic.de), die sogenannte "MIDI-to-driver Interface MDX-MDR.64"-Baugruppe.

Herzstück dieses Moduls ist ein Prozessorboard, das die gesamte MIDI-Kommunikation übernimmt. Es können bis zu 64 Ausgänge über entsprechende Treibermodule angesteuert werden.

Weitere Möglichkeiten ergeben sich in einer MIDI-fizierung der Ober- und Pedalwerkes, sowie der Registerwippen, so dass man eine  umfangreiche Setzeranlage sehr preiswert realisieren kann. Dies sind Projekte für die Zukunft.

Bau einer eigenen MIDI-Endstufe

Bau einer eigenen MIDI-Endstufe

Problematisch dabei war, dass die Ausgänge des von WIRA gelieferten Moduls gegen Masse schalten und für unsere Orgel so deshalb nicht einsetzbar waren. Alle Magnetventile unserer Orgel liegen auf einer Sammelschiene gegen Masse und werden beim Drücken einer Taste mit +12 V versorgt.

Mit Unterstützung der Firma WIRA wurde von unserem Organisten Markus Drexelius eine passende Treiberbaustufe gebaut, die die WIRA-Baugruppe an unsere Orgel anpasst.

In der ersten Stufe wird das Hauptwerk mit einer solchen MIDI-Schnittstelle ausgerüstet, um die Praxistauglichkeit zu testen.

Jede Endstufenplatine kann 16 Magnetventile ansteuern, so dass für ein Werk mit 54 Tönen 4 solcher Treiberplatinen erforderlich sind.

Die Verkabelung erfolgt über 20polige Wannenstecker und Flachbandkabel, sowohl zwischen WIRA-MIDI-Modul, als auch zu den Magnetventilkontakten im Spieltisch.

Unsere selbstgebaute MIDI-Endstufe zur Ansteuerung unserer Magnetventile mit +UvDer Schaltplan, sowie das Platinenlayout wurde mit Eagle erstellt. Die Fertigung der doppelseitigen Platinen erfolgte bei der Fa. PCB-Pool

Die Produktion unserer Platinen

Die Produktion unserer Platinen

PC-Software zum Stimmen der Orgel

PC-Software zum Stimmen der Orgel

An die neue MIDI-Schnittstelle könnte ein handelsübliches MIDI-Keyboard angeschlossen werden, doch zum Stimmen wäre dies eine sehr unhandliche Lösung.

Organistenkollege Stefan Kießling aus Leipzig ist ein versierter JAVA-Programmierer und so hat er uns kurzerhand ein kleines JAVA-Programm entwickelt, mit dessen Hilfe man jede einzelne Pfeife per Knopfdruck nacheinander zum Stimmen anspielen kann.

Das Programm "NextOne" ist auf seiner Projekt-Webseite herunterladbar: http://www.proorganopleno.com

Stimmung mit Funk-Fernbedienung

Stimmung mit Funk-Fernbedienung

Die Nutzung der PC-Software "OneNote" ist eine Variante, die einzelnen Pfeifen zum Stimmen anzuspielen. Jedoch können hier Probleme durch die räumliche Entfernung entstehen, denn die Bedienung erfolgt z.B. mit einem Funkmaus, deren Reichweite aber in der Regel auf wenige Meter begrenzt ist. Bluetooth-Mäuse sind mit Reichweiten von ca. 10 Metern angegeben.

Wir sind deshalb dabei, eine kleine Mikroprozessorschaltung zu entwickeln, die die notwendigen MIDI-Signale über die MIDI-Schnittstelle an die WIRA-Module schickt. Die Ansteuerung der Schaltung soll dann über eine Funkfernbedienung (Fa. ELV Elektronik, FS20-Funkschaltsystem) erfolgen.

So benötigt man keinen PC und kann die einzelnen Pfeifen beim Stimmen mit einer kleinen Handfernbedienung anspielen.

Der Prototyp basiert auf einem ATMEL-Mikrocontroller ATmega8515 und funktioniert auf einem Entwicklungsboard (STK500 von ATMEL) problemlos. Im nächsten Schritt wird die Schaltung noch auf einer Platine aufgebaut und mit einem 4-Kanal-Funkinterface des FS20-Systems ausgestattet.

Prototyp der Funkansteuerung mit ATMEL-MikrocontrollerPrototyp der Funkansteuerung mit ATMEL-Mikrocontroller

Orgel per Fernbedienung

Orgel per Fernbedienung

Die Schaltung, um über eine kleine FS20-Funkfernbedienung die einzelnen Töne zum Stimmen anspielen zu können, wurde mit einem ATmega32 Mikrocontroller realisiert und auf einer Lochrasterplatine aufgebaut. Die Anbindung an das FS20-Fernschaltsystem erfolgt über ein 4-Kanal-FS20-Empfangsmodul. Per FS20-Fernbedienung im Timer-Mode lassen sich die einzelnen Töne zum Stimmen anspielen.