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Pastoralkonzept Usinger Land

"Miteinander unterwegs – Gemeinschaft stärken!"

Unser christlicher Auftrag und unsere biblische Orientierung

Als katholische Kirche im Usinger Land orientieren wir uns in unserem Handeln an dem Auftrag, der allen Christen gemeinsam ist: die froh machende und menschenfreundliche Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung in der Liturgie zu feiern (Liturgia), durch tätige Caritas glaubwürdig zu leben (Diakonia) und in der Weitergabe des Glaubens zu bezeugen und weiterzugeben (Martyria). So sind wir Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden (Koinonia).

Die biblische Geschichte der Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Christus (Emmaus-Geschichte, Lk 24,13-35) inspiriert uns, unsere Lebenssituation im Licht des Evangeliums zu deuten: Wir glauben, dass Christus uns auch heute auf unseren Wegen im Alltag begegnet, unsere Freude und unsere Sorgen teilt und sich uns in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie und in der Begegnung mit unseren notleidenden Brüdern und Schwestern zu erkennen gibt.

Unsere Pastorale Situation im Usinger Land

Etwa 12.000 Katholiken leben in den elf Kirchorten  der Pfarrgemeinde „St. Franziskus und Klara - Usinger Land“ die regional in den Lebens- und Arbeitsraum Rhein-Main und den Hochtaunuskreis    eingebunden sind.        

Die Fluktuation in den Kommunen ist hoch. Viele junge Familien mit Kindern leben in unseren Gemeinden; gleichzeitig vollzieht sich ein Altern der Kommunen, das dem gesamtdeutschen Trend entspricht. In unseren Gemeinden leben Menschen unterschiedlicher Generationen und Milieus, die hier seit Generationen ihre angestammte Heimat haben oder durch Krieg und Vertreibung im Usinger Land angesiedelt wurden. Aber auch viele Menschen, die erst in den zurückliegenden Jahren hierher gezogen sind oder aus beruflichen Gründen nur für eine bestimmte Zeit hier bei uns wohnen, gehören zu unseren Gemeindemitgliedern.

Zur Zeit arbeiten vier Priester, ein Diakon im Hauptberuf, ein Diakon mit Zivilberuf und sieben pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pastoralteam Usinger Land. Priesterlicher Leiter des Pastoralen Raums ist Pfr. Paul Lawatsch. Gleichzeitig engagieren sich viele Ehrenamtliche in unseren Gemeinden und in den synodalen Gremien (Pfarrgemeinderat, Verwaltungsrat ) oder im Ortsausschuss. Sie übernehmen Verantwortung, damit unser Gemeindeleben zu einem Raum der Begegnung wird und es nicht beim „Wort zum Sonntag“ bleibt.

Das Pastoralkonzept

Seit 2006 arbeiteten der Pastoralausschuss (die ehrenamtlichen Vertreter/-innen der Pfarrgemeinderäte) und das Pastoralteam im Usinger Land (die hauptamtlichen Priester, Diakone und pastoralen Mitarbeiter/-innen) an einem Pastoralkonzept für das Usinger Land. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die im „Seelsorgestatut“ des Bistums Limburg (2006) genannten pastoralen Arbeitsfelder. Hauptamtliche und Ehrenamtliche haben dabei dokumentiert, was sich bisher als kirchliches Handeln im Usinger Land bewährt hat. Sie haben sich mit der aktuellen kirchlichen Situation und mit den Herausforderungen und Chancen für die Zukunft der Kirche im Usinger Land beschäftigt.

Ziele und Projekte wurden erarbeitet, die dem pastoralen Handeln im Pastoralen Raum als Orientierung dienen sollten. Als Ergebnis wurden die folgenden pastoralen Ziele verabredet und gelten auch nach der Erweiterung des Pastoralen Raumes durch die vier Schmittener Kirchengemeinden (1.1.2012) und nach der Errichtung der „Pfarrei neuen Typs“ (1.1.2014) weiter:

1. Liturgie / Gottesdienstordnung

1. Liturgie / Gottesdienstordnung

Unser Ziel ist es - im weitläufig-ländlichen Raum des Usinger Landes - Nähe und Begegnung in den Gemeinden vor Ort zu bewahren, soweit uns dies möglich ist: Jeder Kirchort im Usinger Land feiert (bei aktuell vier zur Verfügung stehenden Priestern) eine sonntägliche Eucharistiefeier:

Vorabendmesse: 17.00 in Niederreifenberg, 18 Uhr in Pfaffenwiesbach und Wernborn und 18.30 in Schmitten; Sonntagsmesse: 9.00 in Seelenberg, 9:30 Uhr in Grävenwiesbach und Wehrheim, 10.30 in Oberreifenberg, 11 Uhr in Neu-Anspach und Usingen sowie 18 Uhr in Kransberg.

Wenn nur noch zwei Priester zur Verfügung stehen, soll in den  größten Gemeinden (Neu-Anspach und Usingen) regelmäßig am Sonntag  um 11 Uhr die Eucharistie gefeiert werden; die anderen fünf Kirchengemeinden  feiern dann reihum am Sonntag einen Wortgottesdienst, so dass in jeder dieser Gemeinden alle fünf Wochen keine Eucharistiefeier stattfindet. Die bisherige Regelung von jeweils einem Werktagsgottesdienst in den Kirchorten der Pfarrgemeinde (in der Regel als Eucharistiefeier) kann auch bei nur noch zwei verfügbaren Priestern beibehalten werden.

Weiterhin ist es unser Ziel, eine Spiritualität der Gemeinschaft in der Pfarrgemeinde zu entwickeln: durch den jährlichen gemeinsamen Gottesdienst an der Marienkapelle in Kransberg (am Sonntag vor dem Fest der Aufnahme Marias in den Himmel / 15. August), die Hirtenmesse in der Marienkapelle am 2. Weihnachtstag, die Fußwallfahrt Stück für Stück durch die Pfarrgemeinde, die gemeinsame Gestaltung der liturgischen Feiern über Symbole zur Verdeutlichung der Lesungstexte in den geprägten Zeiten (Fastenzeit/Advent), sowie die Teilnahme am Misereor-Soligang des Bezirks Hochtaunus.

PastoralkonzeptDie thematischen Gottesdienste im Jahreskreis (Misereor-Sonntag, Caritas-Sonntag, Missio-Sonntag) entwickeln wir als liturgische Orte, in denen der Gesellschaftsbezug von caritativem und weltkirchlichem Handeln in allen Gemeinden seinen Ausdruck findet.

2. Katechese

2. Katechese

Kinder werden im Usinger Land in der Regel am Beginn des 3.Grundschuljahres zur Vorbereitung auf die Erstkommunion eingeladen und von elterlichen Katecheten/innen auf die Begegnung mit dem barmherzigen Gott (Beichte) und dem Brot des Lebens (Eucharistie) vorbereitet. Gemeindereferentinnen begleiten dabei die Katecheten/innen und Kinder und laden zu begleitenden Aktionen ein.

Für das in jedem Jahr gefeierte Sakrament der Firmung werden in der Regel Jugendliche eingeladen, die zum Zeitpunkt der Firmspendung das 16. Lebensjahr vollendet haben. Auch sie werden von jugendlichen und erwachsenen Firmkate-cheten/innen auf das „Sakrament der Mündigkeit“ vorbereitet und eingeladen, in der Kraft der empfangenen Geistesgaben ihre jeweilige Gemeinde mit zu gestalten bzw. Aufgaben in der Pfarrgemeinde zu übernehmen. Pastorale Mitarbeiter/innen begleiten die Firmkatecheten/innen und die Firmbewerber, und laden zu begleitenden Aktionen ein; auch die vorherige Begegnung mit dem jeweiligen Firmspender ist dabei vorgesehen.

Unser Ziel ist es, diese Katechese-Konzepte – orientiert an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen, aber auch an unseren knapper werdenden Kräften an ehrenamtlichen Katecheten und pastoralen Mitarbeitern – in der Pfarrgemeinde aktuell  weiterzuentwickeln.

3. Glaubensweitergabe/Erwachsenenbildung/Missionarische Initiativen

3. Glaubensweitergabe/Erwachsenenbildung/Missionarische Initiativen

Missionarische Initiativen werden bereits praktiziert: im Projekt der Besuche von Familien mit Neugeborenen, bei der Begrüßung von Neuzugezogenen, bei Glaubenskurs oder Glaubensgesprächskreis, in den Angeboten der Katholischen Erwachsenenbildung an den einzelnen Kirchorten (für das Jahr 2009 wurde der Themenschwerpunkt „Paulus-Jahr“ verabredet, im Jahr 2014 „Frauenbild in den Weltreligionen“).

Unser Ziel ist es, ein missionarisches Angebot der Glaubensweitergabe für Eltern mit kleinen Kindern zu entwickeln: Es soll die vorhandenen Anknüpfungspunkte über Neugeborenenbegrüßung, Taufe, Eltern-Kind-Gruppe, Familienkreise, Kindergärten usw. nutzen und in Verbindung miteinander bringen.

Für die spezielle Zielgruppe von jungen Ehepaaren und jungen Singles (17 – 30 Jahre) wäre es wichtig ein missionarisches Angebot der Glaubensweitergabe zu entwickeln.

4. Zusammenarbeit mit den Schulen

4. Zusammenarbeit mit den Schulen

Ein erstes Treffen der im Pastoralen Raum tätigen Religionslehrer/innen mit dem Pastoralteam (Projekt „Schule und Gemeinde“) zeigte deutlich die gemeinsame Erfahrung, dass kirchliches Leben in den Familien in der Regel nicht mehr sehr stark gelebt wird und viele Schüler/innen kaum Kontakt zur jeweiligen Kirchengemeinde haben. So sind gerade hier an den Schulen im Usinger Land die jungen Gemeindemitglieder anzutreffen, die unsere „normalen“ Angebote kaum noch erreichen. Der „Schulanfangsgottesdienst“ für Kinder der 1. Klasse scheint hier weiterhin eine gute Verknüpfungsmöglichkeit zwischen Schule und Kirche zu bieten; auch ein Gottesdienst zum Abschluss einer Schulstufe (z.B. zum Ende der 4. Klasse) oder am Ende des jeweiligen Schuljahres wird als hilfreich angesehen.

An der großen Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach ist eine Pastoralreferentin als Religionslehrerin und Schulseelsorgerin eingesetzt, deren 25%-Stellendeputat aus dem Stellenplan der früheren Kirchengemeinde St. Marien, Neu-Anspach stammt, um damit einen Schwerpunkt zu setzen.

Sie arbeitet in guter Kooperation mit der evangelischen Schulpfarrerin an einem Konzept für Schulseelsorge unter den Bedingungen der heutigen Zeit.

Unser Ziel ist es, in gewisser Regelmäßigkeit  die Religionslehrer/innen, die im Bereich des Pastoralen Raumes Usinger Land eingesetzt sind, zu einem Treffen mit dem Pastoralteam einzuladen. Neben einem meditativ-spirituellen Einstieg und anschließendem Erfahrungsaustausch sollen diese Treffen auch jeweils einen thematischen Schwerpunkt haben. Wir beobachten die Entwicklung zur Ganztagsschule im Usinger Land und prüfen, wo wir mit eigenen Projekten als Kirche im Schulalltag präsent sein können (Projektwoche, Klassengemeinschaftsseminare). Dabei streben wir eine enge Zusammenarbeit mit dem Amt für katholische Religionspädagogik Taunus und der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit im Taunus (hier besonders für den Bereich der „schulnahen Jugendarbeit“) an.

5. Zusammenarbeit im Bereich Caritas und Weltkirche

5. Zusammenarbeit im Bereich Caritas und Weltkirche

Für den Bereich Weltkirche gab es bisher keine enge Kooperation auf der Ebene der Pfarrgemeinde. Gleichwohl pflegen einzelne Kirchorte unterschiedlich intensive Partnerschaften mit Gruppierungen und Kirchengemeinden im südlichen Teil unserer Erdkugel. Die „Eine-Welt-Läden“ in drei Kirchorten bieten fair gehandelte Waren an und laden zu Aktionen ein, und die Pfarrei ist eingeladen an einem Erkundungsprojekt „Weltkirche in der Pfarrei neuen Typs“ mitzuarbeiten.

Die Arbeit der Caritas in der Gemeinde ist für uns - neben Liturgie und Verkündigung - ein zentraler, noch an Bedeutung gewinnender Grundvollzug von Kirche. Neben der in nahezu allen Kirchengemeinden bestehenden Notwendigkeit, neue Mitarbeiter/innen für die ehrenamtliche Caritasarbeit zu gewinnen, und das Profil der „Caritas in den Gemeinden“ zu aktualisieren und klarer zu umschreiben, ergibt sich aus der uns vorliegenden Sozialraumanalyse des Caritasverbandes für den Bezirk Hochtaunus e.V. ein schwerpunktmäßiges Augenmerk für Menschen in sozialen Notlagen.
Unser Handeln zeigt sich dabei einerseits als konkrete Hilfe im Alltag für ältere Menschen (Seniorenkreis, monatliches Essen „Gemeinsam- nicht einsam“), andererseits aber auch für Kinder und Familien in schwierigen sozialen Situationen, und in den zurückliegenden Monaten stand besonders der Aufbau einer „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ (konkrete Hilfe bei Behördengängen oder Deutschunterricht) im Blickfeld.

Zugleich stellen wir fest, dass die vielfältigen Aufgaben, die schon jetzt von der Caritas in der Gemeinde (je nach Ort unterschiedlich) wahrgenommen werden, oftmals selbst in der eigenen Gemeinde kaum bekannt sind.

Unser Ziel ist die flächenmäßige Einrichtung eines „Wohnviertelapostolats“ im Pastoralen Raum.
Bei der Konzeptentwicklung soll auf die Hilfe des Bezirkscaritasverbandes (Gemeindecaritas) zurückgegriffen werden.

Aufgabe eines ehrenamtlichen Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin im Projekt „Wohnviertelapostolat“ soll es sein, Kontakt zu den Menschen in einem klar umgrenzten Gebiet zu halten. Er/Sie soll ansprechbar zu sein für die Nöte der Einzelnen und kann die Verbindung zu den Seelsorger/innen herstellen. Um dies leisten zu können, sollte die Kontaktperson möglichst allen Menschen im Viertel bekannt ist. Weitere Aufgaben sollen von Gemeinde zu Gemeinde geregelt werden (Geburtstags-, Neuzugezogenenbesuche u.a.). Der bereits gesetzte Schwerpunkt der Unterstützung benachteiligter Familien zum Schuleinstieg/ Schulwechsel/ Schuljahrsbeginn soll fortgeführt werden.

Sehr gut angenommen ist auch der vom Bezirkscaritasverband Hochtaunus eröffnete „Kleiderladen“ im ehemaligen Bürgerbüro der Stadt Neu-Anspach (mit angegliederter Beratungsstelle), in dem auch viele Gemeindemitglieder ehrenamtlich mitarbeiten.

6. Zusammenarbeit im Bereich der Kindertagesstätten

6. Zusammenarbeit im Bereich der Kindertagesstätten

In  der neuen Pfarrei gibt es nun vier Kindergärten in katholischer Trägerschaft, die von einer Gemeindereferentin begleitet werden. Neben gemeinsamen Austauschtreffen der Kita-Leitungen und der Trägervertreter/innen (in Abständen auch mit der Kommune) werden biblische Projekte miteinander angestoßen und verwirklicht, und jede Kita gestaltet ein bis zwei Gemeindegottesdienste am jeweiligen Kirchort mit.

7. Querschnittsbereich „Öffentlichkeitsarbeit“

7. Querschnittsbereich „Öffentlichkeitsarbeit“

Hier sind in den letzten Jahren durch Ehrenamtliche viele Projekte umgesetzt worden, die die gesamten Pfarrei mit ihren elf Kirchorten in den Blick nehmen: eine gemeinsame Broschüre „Katholisch im Usinger Land – wir laden Sie ein!“ als Visitenkarte aller Kirchorte des Usinger Landes (damals noch ohne die Schmittener gemeinden), unser gemeinsames Logo, das neue Pfarrsiegel und unser gemeinsamer Internetauftritt www.kath-usingerland.de.

Unser Ziel ist die Entwicklung und Einführung einer funktionsfähigen Kommunikationsstruktur im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit auf der Ebene der Pfarrgemeinde.

Darüber hinaus wäre zu prüfen, inwieweit das bereits angedachte Teilprojekt „Gemeinsamer Rundbrief im Pastoralen Raum“ (Herausgabe zweimal im Jahr, ergänzt durch wöchentliche oder 14tägige Pfarrnachrichten) nach Beendigung der vorrangig strukturellen Fragen in einem einjährigen Probelauf erprobt werden kann.