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Geistlicher Impuls


Liebe Schwestern und Brüder,

der Januar hatte es in sich: an drei Veranstaltungen nahm ich teil, die alle „Kirchenentwicklung“ zum Thema hatten! Den Auftakt bildete die diözesane Veranstaltung zu Kirchenbildern am 19.01. im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod, vom 22.-24.01. waren wir dann auf der Bezirksklausur in Hofheim, und am 26.01. schließlich fand unser 4. Forum der Ständigen Diakone im Priesterseminar in Limburg statt. Und immer ging es, wie gesagt, um Kirchentwicklung. Nun sind manche ja der Meinung, Kirche habe sich immer entwickelt, das zum Thema zu machen, sei unnötig. Andere spüren dagegen, dass die Antworten von früher nicht mehr auf die Fragen von heute passen, und deshalb suchen sie nach Wegen, wie wir auch morgen noch Kirche sein und die Frohe Botschaft Jesu in unsere Welt tragen können.

Keine Sorge, ich will an dieser Stelle nicht über Kirchenentwicklung diskutieren. Aber ich möchte Ihnen durchaus etwas ans Herz legen. Nach den bunten und hoffentlich für Sie fröhlichen Karnevalstagen kommt die Fastenzeit, die Österliche Bußzeit. Da denken wir nach über uns selbst und unser Leben, wir stellen uns selbst auf den Prüfstand und richten uns neu aus auf Jesus hin. Ihrem Nachdenken möchte ich auch Ihre Gemeinde anempfehlen: wohin soll sie sich entwickeln? Nun sagen manche: „Entwickeln? Nein, alles soll bleiben, wie es ist, besser noch: werden, wie es war!“ So viel ist klar: die Zeit zurückschrauben können wir nicht, und es ist auch nicht sinnvoll und richtig: „Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen“ - heißt es schon in einem lateinischen Spruch aus dem 16. Jahrhundert. Wenn wir heute die Kirche von morgen auf den Weg bringen wollen, dann darf uns nicht der „Mangel“ an Priestern, Gläubigen oder Geld dazu bewegen, sondern der Auftrag des 2. Vatikanischen Konzils, das die Kirche nicht mehr als Hierarchie, sondern als Gemeinschaft des Gottesvolkes auf dem Weg beschreibt. Es kann also nicht mehr von „denen da oben“ alles abhängen, „wir sind die Kirche!“ ist zutiefst unser Markenkern geworden.

Wir alle sind daran gewöhnt, daß ein „Hauptamtlicher“ (Pfarrer, Priester, pastoraler Mitarbeiter/in) für die Gemeinde sorgt, sie quasi „versorgt“. Manche sagen bis heute: „Der hat das studiert (und wurde geweiht), der wird bezahlt, der soll das machen!“ Und durch die Errichtung der Großpfarreien versucht man ja auch, das Kirchenbild des Tridentinischen Konzils aus dem 16. Jahrhundert „ein Territorium – ein Kirchenvolk – ein Pfarrer“ mühsam aufrechtzuerhalten. Dabei hat die Synodalordnung, die in unserem Bistum kürzlich ihren 50. Geburtstag feierte, bereits durch Gremien und Räte von „Laien“ und „Ehrenamtlichen“ einen anderen Weg beschritten: für die Kirche müssen wir alle sorgen!

Drei Szenarien stehen uns nun konkret vor Augen.
Abgesehen davon, dass wir eine „hauptamtliche Ansprechperson“ für jede Gemeinde der Großpfarrei gar nicht mehr zur Verfügung haben, stellt sich doch die Frage, ob dieses Bild der „Versorgung der Gemeinde“ heute überhaupt noch trägt: wer ist „Hirte“, wer ist „Herde“? Hat nicht auch die Herde „Hirtendienst“ zu leisten?
So kommt es, dass wir z.Z. Gemeinden „mit“ und andere „ohne“ Hauptamtlichen haben. Da kann Neid entstehen: „Die in „X“ haben ja noch den…“ oder auch Sorgen aufkommen: „Wir können doch nicht alleine… Wer kümmert sich um uns?“ Dass der Heilige Geist am Werk ist, erkenne ich daran, dass noch keine Gemeinde ohne Hauptamtlichen untergegangen ist!
Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass jede unserer Gemeinden ehrenamtlich geleitet wird. Wenn wir ehrlich sind, ist es im Grunde ja auch jetzt schon so. Ich „Hauptamtlicher“ wäre doch „verraten und verkauft“, wenn nicht engagierte „Ehrenamtliche“ letztlich die Hauptarbeit machten. Und noch etwas erlebe ich: die wirklich wichtigen Impulse, die uns weiterbringen können, kommen nicht von mir, sondern von denen, die da draußen „in der Welt“ sind. Sie bringen die „Welt“ hinein in die „Kirche“ und die Kirche in die Welt…
Was machen dann noch die „Hauptamtlichen“?  Nur noch Kaffeetrinken? - Ich sehe uns als die, die Ihnen den Rücken stärken; die Sie ermutigen, etwas zu wagen; die Ihnen helfen, Ihre Ideen in die Tat zu bringen. Ich persönlich kann mir gut vorstellen, auf Anfrage hin in jeden Ortsausschuss zu gehen und mit Ihnen gemeinsam zu überlegen, wie wir „vor Ort“ Kirche sein können.

Darf ich Ihnen diese Gedanken in die Fastenzeit hinein mitgeben? Für Sie persönlich - oder auch für Ihren Ortsausschuss. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

Herzlich grüßt Sie
Ihr Joachim Pauli, Diakon