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Geistlicher Impuls

Ich trage eine Brille ...


… Und obwohl ich diese regelmäßig putze, sehe ich manchmal trotzdem nicht, was eigentlich los ist. Was wirklich wichtig ist, das übersehe ich.

Oftmals sehe ich nur das, was mir wirklich vor Augen ist, was offensichtlich und klar erkennbar ist. Für manch anderes habe ich keinen Blick. Das ist halt so und nicht der Rede wert.

Oder ich habe es schon so oft gesehen, dass ich es gar nicht mehr bewusst wahrnehme. Manchmal bin ich so in Eile, dass ich gar nicht hinschaue. Oder ich lasse mich von dem leiten, was an der Oberfläche ist und mache mir nicht die Mühe, dahinter zu blicken.

„Der Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“

In der Bibel wird erzählt, dass das bei Gott anders ist. Gott sei Dank!

Er sieht tiefer. Sieht, was wirklich los ist. Zum Beispiel als es um die Auswahl eines neuen Königs geht. Obwohl David noch Brüder hat, die älter und stärker und schöner sind als er, fällt die Wahl Gottes auf ihn.

Gott hat sich richtig Zeit genommen. Er hat sich also nicht von den Äußerlichkeiten leiten lassen, sondern hat auf die inneren Werte geschaut. Das, was er dort gesehen hat, das hat er wertgeschätzt. Und David wird ein großer König. Später hat er selbst auch Fehler gemacht. Aber damit konnte er umgehen, zu seinen Fehlern stehen und neu anfangen. Vielleicht war dies das Besondere, das Gott in ihm erkannt hatte.

Das möchte ich auch können. Den Blick auf das Besondere des Menschen richten. Erkennen, was ihn ausmacht, was ich nicht sofort sehe. Viel zu oft beurteile ich Menschen nach dem, was mir vor Augen ist. 

Und wahrscheinlich werde ja auch ich selbst so angeschaut: Wie ist die denn angezogen? Was für eine schreckliche Brille? Und die Frisur erst…

Es ist immer besser, einen zweiten Blick zu wagen und sich nicht blenden zu lassen von dem Sichtbaren. Die mit der komischen Brille ist vielleicht richtig nett. Und hilfsbereit. Und wie gut sie zuhören kann!

Aber das merkt man natürlich nicht gleich. Ein Gespräch klärt vieles, sagt viel mehr über einen Menschen aus als Kleidung, die er trägt.

Deswegen möchte ich mir zukünftig mehr Zeit für den zweiten Blick nehmen. Gerade dann, wenn der erste Blick mich schon zu sehr auf eine Meinung festlegt.

Also werde ich zukünftig nicht nur meine Brille putzen, sondern auch meinen Blick schärfen und versuchen, ins Herz zu schauen.

Ihr Herbert Gerlowski, Diakon