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Geistlicher Impuls


Liebe Schwestern und Brüder

Das Fest der „Darstellung des Herrn“, traditionell „Mariä Lichtmess“ genannt, feiern wir am 2. Februar, dem 40. Tag nach Weihnachten. Wir erinnern uns daran, wie Jesus als Neugeborener der Tradition gemäß dem Herrn im Tempel „dargestellt“ wurde. Hier begegneten ihm der greise Simeon und die Prophetin Hanna, die beide erkannten, dass in dem Kind das Heil der Welt geschenkt ist. Seit jeher werden auch an diesem Tag die Kerzen geweiht, daher der Name „Lichtmess“. Kerzen als Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht in „dunklen Tagen“. Gott ist mit uns, gerade in Bedrängnis und Not.

Nach den närrischen und fröhlichen Tagen beginnen wir mit dem Aschermittwoch die Zeit des 40-tägigen Fastens zur Vorbereitung auf das Osterfest. In diesen Tagen erhalten wir reichlich Gelegenheit, unseren Glauben zu vertiefen und uns neu auf die Nachfolge Jesu Christi zu konzentrieren.

Mit dem Aschermittwoch beginnt wieder die Zeit des Verzichtens - die Fastenzeit. Und wissen Sie schon, auf was Sie verzichten möchten? Das kann schon ganz schön anstrengend sein 40 Tage auf Süßes, Fleisch oder Alkohol zu verzichten und sicher gibt es nicht nur viele Versuchungen, sondern oftmals auch ein Scheitern. Wozu also soll man dann das Ganze überhaupt machen? Fasten ist in vielen Kulturen und Religionen bekannt und wird oft mit dem Verzicht auf etwas gedeutet. Aber das ist unsere moderne und manchmal oberflächliche Erklärung dafür, denn Fasten ist - gerade im christlichen Sinn - ist nicht einfach das Verzichten auf etwas, sondern vielmehr der Verzicht für jemanden. In diesem Sinne ist das Fasten nicht eine Negation von Besitz, von Essen, Gewohnheiten oder Zeit. Solch eine Motivation wäre nicht von langer Dauer.

Fasten ist eine positive Zuwendung auf jemanden hin. Ich trete beim Fasten also in eine Beziehung. Und diese positive Motivation lässt einen das Fasten etwas leichter vollziehen.

Beim Verzicht für jemanden denken wir Christen vielleicht zuerst an Gott. Die freie Zeit durch weniger Fernsehen oder Handynutzung kann man zum Bibellesen oder zum Gebet nutzen – ich nehme mir etwas mehr Zeit für meine Beziehung zu Gott.

Es kann aber auch Zeit zum Gespräch mit anderen sein, zum Zuhören oder jemanden zu treffen, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Und als dritte Beziehung könnte dies auch mehr Zeit für mich selbst sein, dass ich mehr auf mich achte oder mir mal ein Buch und etwas Ruhe gönne, damit ich Kraft tanken kann und auf andere Gedanken kommen kann.

Und mit diesem Dreischritt lässt sich jeder Fastenvorsatz prüfen, ob er richtig motiviert ist und so ein Neuanfang sein kann. Für wen werden Sie also Fasten?

Ihr Pater John Paul Marneni.