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Geistlicher Impuls

anweisungen (für christen) zur auferstehung


Wir sind auf dem Weg auf Ostern zu, die Kar- und Ostertage liegen vor uns, bald feiern wir wieder Ostern, das Fest des Lebens, das den Tod besiegt. Für die einen ist dieses älteste und höchste christliche Fest eine Erinnerung daran, was mit Jesus geschah, damals, in Jerusalem. Für die anderen ist es ein Himmelsfest: auch wir, die wir zu Jesus gehören, werden dereinst durch den Tod in das Leben gehen. Über all diese richtigen und wichtigen Gedanken hinaus, suche ich nach Impulsen für mein irdisches Leben - hier und heute: Ostern – mitten im Leben?!
Der Priester und Dichter Wilhelm Willms schrieb 1986 seine „anweisungen (für christen) zur auferstehung“. In zehn unterschiedlich langen Strophen betrachtet er das Geschehen um den Tod und die Auferstehung Jesu und sucht die Bilder und Worte der biblischen Passions- und Auferstehungsberichte in unseren Alltag hinein zu übersetzen. Einige seiner Empfehlungen möchte ich aufgreifen und mit Ihnen durchdenken.
laß dich festnageln und bleib nicht unverbindlich.
Wir lassen heute gerne vieles in der Schwebe, die Einladung zu einer Feier z.B. beantworten wir mit Zu- oder Absage erst sehr spät. Mit unserer Meinung zu einer Streitfrage halten wir uns zurück. Die anderen könnten meinen... und überhaupt, was geht es mich an, ich kann sowieso nichts ändern. Anteil an Jesu Kreuz haben, ihm ans Kreuz folgen, heißt: verbindlich sein, klar sein, in dem, was für mich gilt, und das auch sagen, dazu stehen, selbst wenn die anderen mich belächeln, einen Standpunkt haben, selbst wenn man mich dafür kreuzigt.
schrei laut, wenn man dich aufs kreuz gelegt hat. Laß dich nicht totschweigen, nur laut und deutlich kannst du den geist aushauchen. Artikuliere den geist in einer sprache, wie sie auf der straße gesprochen wird. Nur wer sich festnageln und kreuzigen lässt, kann geist aushauchen, ausströmen, sturm entfachen, pfingststurm.
Wer reingelegt, betrogen, aufs Kreuz gelegt wurde, darf nicht kuschen, schon gar nicht der Christ. Unrecht muss Unrecht genannt werden können, was falsch ist, ist falsch. Nicht alles in dieser Welt und in der unseren ist gut. Wir haben uns leider auch in der Kirche angewöhnt, schön zu reden oder zu schweigen, denn mal will ja niemand wehtun... und überhaupt, was geht es mich an, ich kann sowieso nichts ändern. Ich will nicht dem Abkanzeln und Fertigmachen das Wort reden, Worte müssen nicht verletzend sein, aber sie dürfen klar sein, sie müssen verstanden werden. Nur so wird sich etwas ändern, nur so wird ein neuer Geist, der Geist der Wahrheit und Ehrlichkeit, Platz greifen. Lassen Sie uns ehrlich miteinander umgehen, dabei bedenkend, dass wir nicht die Henker, sondern die Geschwister des Gekreuzigten sind, und dass Welt und Kirche besser werden können - auch durch uns. Heiliger Geist, sein Geist, erfasse uns und treibe uns an zu geschwisterlicher Liebe und Wahrheit.
…steh auf, gerade wenn du meinst, du könntest nicht aufstehen, der stein vor deinem grab wird sich von selbst fortbewegen, es wird dir ein stein vom herzen fallen.
Fürchte nicht, es könnte nicht weitergehen, es wird weitergehen.

Wir sagen bisweilen: Ich kann nicht mehr! Gerade dort kann Auferstehung sich ereignen. Es geht immer weiter. Die Erde bleibt nicht stehen. Lassen wir uns mitschleifen oder stehen wir auf, bereit, die neue, wenn auch niederschmetternde Situation zu meistern? „Meistern“ - ein treffendes Wort: wer ist der Meister? Die Situation, derer Herr werden zu können ich nicht glaube, mir nicht glaube? Oder bin ich der Meister, Herr meiner Lage? Christen sind keine besseren Menschen, aber sie sind besser dran – heißt es. Auch Christen leiden – und sterben. Aber als seine Schwestern und Brüder wissen wir IHN an unserer Seite, er, der das Leben selbst ist. Er wälzt den Stein fort, er nimmt den Stein von unserem Herzen und aus unserem Herzen, er gibt uns ein neues Herz, eines aus Fleisch, ein starkes, aber mitfühlendes. Ihm vertrauend, wissen wir, dass es weitergeht, nicht irgendwie, sondern gut, auch mit uns, auch wenn wir leiden und sterben. Seit Ostern haben Leid und Tod nicht mehr das letzte Wort…
In Zeiten der Bedrohung durch das Corona-Virus ist mein Wunsch für Sie und alle Ihre Lieben: Bleiben Sie gesund!
Gesegnete Kar- und Ostertage wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Joachim Pauli, Diakon