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Geistlicher Impuls

Geschenkte Lebenszeit


Manchmal ist Müßiggang ein guter Lehrmeister fürs Leben. Aufgegangen ist mir das vor ein paar Tagen:

Ich sitze auf der Terrasse vor unserem Haus im Garten und genieße den blauen Himmel und die Sonne, die so schön und kräftig scheint.

Es ist ein wunderschöner Tag, die Vögel singen über mir in den Zweigen der Bäume und haben, so wie ich auch, ihre helle Freude, an dem schönen Wetter und an der Sonne, die ihre Strahlen so unverhohlen in Richtung Erde schickt.

Höher und höher steht die Sonne am Himmel. Kaum merklich und dennoch stetig vergeht die Zeit. Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Die Schatten der Bäume und Häuser zeigen es an. Ich denke an alte Sonnenuhren über dem Eingang eines Hauses, manchmal auch einer Kirche. Sie zeigen besonders sinnfällig die fortschreitende Zeit.

Sonnenuhren weisen darauf hin, dass es die Sonne ist, welche die Zeit bestimmt. Die Sonne ist für mich Teil der Schöpfung, Teil von Gottes Welt. Und ich auch.

Diese Vorstellung finde ich schön. Und zugleich werde ich innerlich ganz klein, wenn ich überlege, wie gering doch meine Lebenszeit angesichts des Zeitenlaufs der Sonne ist. Gleichzeitig stelle ich fest, wie reich und wie schön, und manchmal auch regelrecht ewig und endlos, ich manchen Moment im Leben zu empfinden vermag. Gott sei Dank. So sitze ich auf der Terrasse und sinniere über die Sonne, die Zeit und Gott und das Leben.

Es sind gerade solche Stunden, des Müßiggangs, die mich lehren können: jeder Tag, jede Stunde, jede Minute meines Lebens ist ein Geschenk von Gott an mich. Und mit jedem Tag, den ich morgens unter den Strahlen der Sonne beginnen kann, kommt zu dem Geschenk von gestern ein neues von heute dazu.

Wenn ich so den Tag vor Augen habe, als Lebenszeit, die ich jeden Morgen neu empfangen darf, verändert sich die Perspektive: Dann steht nicht mehr das Vergehen von Zeit und Leben steht im Vordergrund, sondern die große Möglichkeit, Leben und Zeit nutzen und gestalten zu können.  Jeden Tag meines Lebens. Immer wieder neu.

Ein richtig guter Gedanke, der, wie ich finde, unserem üblichen Zeitempfinden ein herrlich geistliches Paroli zu bieten vermag.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute Zeit!

Euer Herbert Gerlowski, Diakon